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"Wenn man schnell war, stand man vor dem Tor!" Willi Koslowski erzielte ersten Schalker
Bundesligatreffer
Willi Koslowski wurde 1937 in unmittelbarer Nähe des Parkstadions geboren. Von 1952 bis 1965
spielte er für Schalke und erlebte die letzten Jahre in der Oberliga West sowie die Einführung der
Bundesliga im königsblauen Trikot mit und erzielte 1963 in der neuen Spielklasse den ersten
Schalker Treffer. Im folgenden Interview erinnert sich der einstige Außenstürmer an die Zeit,
in der die Bundesliga noch in ihren Kinderschuhen steckte.
Willi Koslowski, welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem ersten Schalker Bundesligaspiel am 24.
August 1963?
Damals spielte der VfB Stuttgart bei uns in der Glückaufkampfbahn. Die fasste normal nur 30.000
Zuschauer, aber war immer voller. Die Leute haben am Spielfeldrand gesessen und waren gespannt.
Das war für uns ja Neuland. Aus der Oberliga kannten wir nur die West-Vereine. Von den meisten
Gegnern wussten wir nicht viel. Ich kannte immerhin noch einige VfB-Spieler von der
Weltmeisterschaft in Chile. Etwa Helmut Sawatzki, der in dem Spiel bei Stuttgart im Tor stand.
Gegen den Nationaltorhüter gelang Ihnen vor der Halbzeit das erste Bundesligator für Schalke.
Schildern Sie uns doch mal dieses historische Tor.
Da kann ich mich noch gut dran erinnern. Der Treffer fiel auf das Tor in Richtung zum
Emscher-Schnellweg, den es damals noch gar nicht gab. Das war im Grunde genommen die Nordkurve.
Ich bekam nach einem Schuss von Hermann die Gelegenheit zum Nachsetzen und habe den Ball mittels
Unterkante der Latte verwandelt. In der 37. Minute war das.
Wie hat sich die Mannschaft damals auf das Spiel vorbereitet?
So eine gewisse Vorbereitung haben wir schon gemacht, aber das war nicht viel. Wir waren ja alle
voll berufstätig und haben nach Feierabend trainiert. Wir waren vor dem Spiel auch nicht im
Trainingslager oder so etwas. Da war ja gar keine Zeit für.
Was hat sich neben den neuen sportlichen Bedingungen mit der Einführung der Bundesliga für Sie
verändert?
Man konnte in der Bundesliga mehr verdienen. Vor allem die Nationalspieler - und das war ich
ja - haben mehr bekommen. Dazu gab es immer Prämien. Bis 1963 hießen wir Vertragsfußballer und
haben maximal 400 Mark verdient. Die Jungspieler haben am wenigsten bekommen und das wurde dann
mit dem Alter immer mehr. Ich selber war nie Profifußballer. Der Profifußball wurde damals noch
nicht eingeführt. Ich habe immer voll gearbeitet. Mit den Jahren haben sich die Gehälter dann
gesteigert bis zu den Summen von heute.
Sie haben selber in der Glückaufkampfbahn gespielt, aber auch das Parkstadion und heute die
Arena AufSchalke miterlebt. Wie würden Sie die Unterschiede beschreiben?
In der Glückaufkampfbahn mit 40.000 war mehr Stimmung als mit 50.000 oder 60.000 heute. Früher
haben die Leute fast bis zum Torpfosten gestanden. Wenn man eine Ecke schießen wollte, musste
man die Leute erst beiseite schieben. Ich habe lange Zeit auch Rechtsaußen gespielt. Da ist mir
einmal der Ball unter eine Bank auf der Vortribüne gerollt. Wir lagen zurück und ich musste mich
beeilen, den Ball zu holen. Als ich den wieder hatte und gerade einwerfen wollte, saß da ein Opa
an der Linie, der mich mit seinem Krückstock am Fuß festhielt. Der war wohl für den Gegner. So
etwas ist ja heute undenkbar. Es gibt ja immer höhere Sicherheitsbestimmungen.
Haben Sie in der heutigen Mannschaft einen Lieblingsspieler?
Nicht direkt. Ich selber habe Stürmer gespielt und bin begeistert von Leuten die vorne spielen
und es am schwersten haben. Man muss sich körperlich richtig einsetzen und wird hautnah gedeckt
- und dann noch das Tor machen, das ist schon schwer heute. Es wird einfach mehr Wert auf Abwehr
gelegt. Da ist ja immer noch einer der versucht, die Situation zu bereinigen. Das war für uns
damals leichter. Wir haben nach dem WM-Prinzip gespielt, also Mann gegen Mann. Und wenn man dann
schnell war, stand man eben vor dem Tor.
Was machen Sie heute?
Ich bin hier auf Schalke das Mädchen für alles. Schalke ist ein Großverein und der Posteingang
und Ausgang hat sich enorm gesteigert. Alleine durch die Anzahl der Tageskarten und
Dauerkartenversendungen. Dafür bin ich zuständig.
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