08.03.2004: Vor 29 Jahren stimmten Schalke-Fans über Marinho-Transfer ab

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Beim Bundesligaspiel zwischen den Knappen und Bayern München am 8. März 1975 bekam die Schalker Vereinfamilie exotischen Besuch. Francisco Marinho, Verteidiger mit Offensiv-Drang vom FC Botafogo Rio de Janeiro, saß auf der Tribüne des Parkstadions neben Präsident Günter Siebert, der den Brasilianer unbedingt verpflichten wollte. Um sein Ziel zu erreichen, griff der ehemalige Meisterspieler zu einer ungewöhnlichen Aktion und schoss damit ein legendäres Eigentor.

Gegen den Willen von Trainer Ivica Horvat ("Ich habe gute Abwehrspieler, ich brauche Stürmer!") lockte Siebert den extravaganten Fußballer, der bei der WM 1974 in Deutschland hatte glänzen können, nach Gelsenkirchen. Marinho sollte 1,4 Mio. DM Ablöse plus 240.000 DM Handgeld kosten. Vor der Partie gegen die Bayern wurden die Anhänger dazu aufgefordert, über den Transfer abzustimmen. Die 70.000 Zuschauer erhielten Stimmkarten: "Marinho kaufen?" und "Marinho-Zuschlag?" lauteten die beiden Fragen, bei denen entweder Ja oder Nein anzukreuzen war.

Der Empfang für den Brasilianer, der mit einem weinroten Jeans-Anzug den Rasen betrat und dort den "Silbernen Otto" der Jugendzeitschrift "Bravo" überreicht bekam, war weniger herzlich. Die Schalke-Fans begegneten dem blonden Wuschelkopf mit den pelzgefütterten Handschuhen mit Skepsis.

Am nächsten Tag, als ausgezählt werden sollte, waren die 30 Holz-Urnen mit den gesammelten Stimmzetteln leer. Es blieb lediglich ein Rest von 450 in einem Pappkarton. "Die Müllabfuhr hat die Zettel auf die Kippe gebracht", vermutete Siebert, der mit der winzigen Stichprobe zufrieden war. Laut der verbliebenen Zettel votierten 75 Prozent für Marinho und 60 Prozent gegen einen Zuschlag.

Am 11. März folgte schließlich das Nein des Verwaltungsrats, der zum damaligen Zeitpunkt bei allen Ausgaben über 50.000 DM das letzte Wort hatte. Dessen Vorsitzender Karl-Heinz Lange: "Die Förderung der Jugendarbeit muss Vorrang vor spektakulären Spielereinkäufen besitzen." Marinho trainierte noch einmal mit Schalke - und flog dann in seine südamerikanische Heimat.

       
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