21.05.2004: Vor sieben Jahren gewannen die Eurofighter den Pott

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Dieser Abend war die Krönung einer sensationellen UEFA-Cup-Saison. Im Guiseppe-Meazza-Stadion zu Mailand triumphierte Schalke 04 am 21. Mai 1997 mit einem 4:1 im Elfmeterschießen über den FC Internazionale Milano. Ein Endspiel-Sieg, der sportlich zwar nicht am Reißbrett entstand, bei dem aber technische Hilfsmittel ebenso eine nicht unerhebliche Rolle spielten wie die berühmte "blau-weiße Wand".

Gut 30.000 Schalker hatten sich nach dem 1:0-Hinspielsieg im Parkstadion über alle nur denkbaren und undenkbaren Kanäle mit Karten für die unvergessliche Nacht in San Siro eingedeckt und feierten ihre Mannschaft schon gut zwei Stunden (!) vor dem Anpfiff derart lautstark, dass die Stadionregie schließlich verzweifelt versuchte, diese Anfeuerung durch ohrenbetäubende Musik aus den Stadionlautsprechern zu übertönen - was aber nicht gelang. Auch während der 120 Minuten hatten die Knappen gesangstechnisch eindeutig ein Heimspiel. Die in blau und weiß auf den Rängen hängten sich nicht weniger rein als die ganz in weiß auf dem Spielfeld - und das wollte an diesem Abend etwas heißen. Manager Rudi Assauer taufte den grandiosen Rückhalt die "blau-weiße Wand".

Olaf Thon konnte den sensationellen Sieg nach dem Abpfiff kaum fassen: "Mein Gott, was für ein Abend. Als ich den Pott hochhob, zitterten mir vor Aufregung die Knie - viel mehr als bei meinem Elfmeter. Den habe ich eigentlich ziemlich cool reingehauen..." Genau wie Ingo Anderbrügge, Martin Max und Marc Wilmots.

Dass der Krimi vom Punkt das Finale entschied, dafür war der Inter-Akteur Ivan Zamorano verantwortlich. Der Chile egalisierte fünf Minuten vor dem Ende den 1:0-Vorsprung der Schalker aus dem Hinspiel. Der Treffer war ein wenig schmeichelhaft für das Team von Roy Hodgson, das sich lange Zeit gegen die überraschend offensiv auftretenden Gäste sehr schwer tat.

Weil Martin Max in der Verlängerung den Ball über das Tor setzte, und der Italiener Ganz mit einem Volley-Schuss nur die Latte traf, ging es ins Elfmeterschießen. Erster Schütze war Anderbrügge - sein kraftvoller Hammer in die rechte Ecke bedeutet nicht nur das 1:0, sondern war laut Coach Stevens die Vorentscheidung: "Ich hatte davor ein gutes Gefühl, und es war ein Signal für alle, als Ingo verwandelt hatte."

Dann Inter: Zamorano lief an, platzierter Ball in die von ihm aus gesehen rechte Ecke - doch Lehmann war schon da und parierte. Der Keeper nach dem Spiel: "Ich wusste, dass Zamorano vermutlich in meine linke Torwart-Ecke schießt. Das macht er meistens, wenn er einen langen Anlauf nimmt. So stand's auf dem Zettel, den mir der Trainer wie immer vor dem Spiel gab. Die Tricks und die Lieblingsecken der wahrscheinlichen Elfmeterschützen - er hat jedes Detail in seinem Laptop gespeichert."

Doch einen hatte der holländische Trainer trotzt aller Akribie vergessen: Ausgerechnet seinen Landsmann Aron Winter hatte Stevens nicht auf seiner Elfer-Rechnung. Lehmann war auf sich alleine gestellt, und packte tief in die psychologische Trick-Kiste: "Ich bin auf Winter mit dem Ball zugegangen, habe mich ganz groß gemacht und ihm gesagt, dass ich in der Mitte stehen bleibe. Um ihn zu zwingen, in eine Ecke zu schießen."

Winter tat ihm den Gefallen und jagte die Kugel rechts vorbei. Somit hatte Wilmots Matchball. Er verlud Inter-Schlussmann Pagliuca und schob locker unten links ein. Schalke war UEFA-Cup-Sieger, der erste internationale Titel, die Überraschung war perfekt. Und wie reagierte Mister Sorgfalt? Stevens notierte erst den entscheidenden Strafstoß des Belgiers, steckte die Kappe auf den Stift und erst dann fing der Erfolgscoach an zu jubeln.

Und die Fans? Die jubelten, schrieen, sangen, weinten vor Glück, als das Wunder von Mailand vollbracht war. Denn sie wussten alle, dass Schalke 04 an diesem Abend Fußballgeschichte geschrieben hatte. Das perfekte Kollektiv hatte über eine Ansammlung von individuellen Spitzenkönnern gesiegt. Oder wie es ein Fanplakat ausdrückte: "Datt erzähl ich meine Enkel".

Inter Mailand - FC Schalke 04 1:4 i.E. (1:0 n.V.)

Inter: Pagliuca, Bergomi (72. Angioma), Paganin, Fresi, Pistone, Zanetti (120. Berti), Ince, Sforza (82. Winter), Djorkaeff, Ganz, Zamorano

Schalke: Lehmann, Thon Linke, de Kock, Latal (111. Held), Eigenrauch, Müller (98. Anderbrügge), Nemec, Büskens, Wilmots, Max

Tor: 1:0 Zamorano (85.)
Elfmeterschießen: 0:1 Anderbrügge, Lehmann hält gegen Zamorano, 0:2 Thon, 1:2 Djorkaeff, 1:3 Max, Winter schießt vorbei, 1:4 Wilmots
Zuschauer: 81.675
SR: Garcia-Aranda (Spanien)

       
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