01.06.2004: Vor 73 Jahren wurde der Mythos Schalke 04 zum ersten Mal sichtbar

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Der 1. Juni 1931 war ein ganz normaler Werktag. Nur in Gelsenkirchen passierte etwas Sonderbares: Mehr als 70.000 Menschen strömten zu einem Freundschaftsspiel zwischen Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf in die völlig überfüllte Glückauf-Kampfbahn. Worin bestand die Anziehungskraft dieser Begegnung?

An diesem Montag traten Kuzorra, Szepan und Co. zum ersten Mal seit fast einem Jahr wieder im Schalker Dress an. Der Westdeutsche Spielverband hatte am 25. August 1930 (Stichtag folgt) 14 Spieler aus der 1. Mannschaft der Knappen, die für Spiele und Training ein verbotenes Handgeld von zehn Mark - erlaubt waren fünf - erhalten hatten, zu Berufsspielern erklärt. Damit waren Emil Rothardt, Walter Badorek, August Sobottka, Ferdinand Zajons, Paul Böcke, Alfred Jaczek, Valentin, Hennes Tibulsky, Ernst Kuzorra, Fritz Szepan, Heinrich Simon, Willi Neumann, Willy Kampmann und Willi Rodner gesperrt.

Die Folgen für den Club: In sechs Wochen gab es drei Generalversammlungen, die gesperrte Auswahl trug als "Meister des Westens" Spiele gegen den 1. FC Wuppertal aus und war dabei, als sich in Köln der Professional-Fußballverband gründet. Die Situation drohte zu eskalieren. Der Verein distanzierte sich zunächst von seiner früheren 1. Mannschaft. Erst nach einer geschickten Intervention von besonnenen Leuten wie dem Vorsitzenden Fritz Unkel fügten sich die Spieler und zogen die Anmeldungen für den Berufsspielerverband zurück.

Schalke 04 wurde bis zur Zahlung einer Strafe von 1600 Mark aus dem WSV ausgeschlossen, am 23. Januar 1931 hob der Verband dieses Urteil jedoch wieder auf. Die Verbannung der einzelnen Spieler dauerte bis zum 31. Mai 1931 an, dann wurden alle begnadigt.

Die Sehnsucht der Schalker nach einem Fußballspiel der Idole um Kuzorra und Szepan war also groß, als an jenem Juni-Montag Fortuna Düsseldorf zu Gast war. Mehr als 70.000 Menschen, so die inoffizielle Angabe, drängten an jenem Tag in Richtung Schalker Markt. Die Glückauf-Kampfbahn platzte aus allen Nähten. Sie kamen zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Auto, Bussen, Zügen oder der Straßenbahn.

Die Anhänger standen dicht gedrängt am Spielfeldrand, saßen auf den umliegenden Gebäuden und Bäumen - und selbst auf den beiden Toren hockten Jugendliche. Den umjubelten Treffer des Tages, den aufgrund der Menschenmassen gar nicht alle Zuschauer sehen konnten, ging auf das Konto von Hennes Tibulsky. Der ältere Bruder des späteren Meisterspielers Ötte schoss nach einer schönen Kombination unhaltbar ins rechte Eck. Ein Sieg nicht nur gegen die Rheinländer, sondern auch über den WSV und eine eindrucksvolle Demonstration, dass die Beziehung zwischen dem FC Schalke 04 und seinen Anhängern etwas Außergewöhnliches ist.

       
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