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23.07.2004: Vor 57 Jahren wurde Hans-Jürgen Wittkamp geboren

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Vom Angreifer zum erstklassigen Vorstopper: Die Fußball-Karriere von Hans-Jürgen Wittkamp (*23. Juli 1947) verlief nicht so, wie es viele Experten Ende der 1960er Jahre erwartet hatten. Damals kam der Gelsenkirchener Junge in einer Last-Minute-Aktion von der SpVgg Herten an den Schalker Markt und legte einen sensationellen Start in der Bundesliga hin.

In seinen ersten zehn Spielen traf der 20-Jährige achtmal das gegnerische Tor und stellte damit einen Vereinsrekord auf, den bisher lediglich Rüdiger Abramczik elf Jahre später überbieten konnte. Während Abi in sieben Bundesligapartien in Folge jeweils mindestens einen Torerfolg feiern konnte, verließ Wittkamp sechsmal hintereinander das Spielfeld als Torschütze.

Am Ende seiner ersten Saison standen bei dem Nachwuchsmann, der in Gelsenkirchen-Resse geboren wurde, stolze zwölf Treffer zu Buche. Einen freute das besonders - Fritz Szepan. Der einstige Kopf des Schalker Kreisels verpflichtete in seiner zweiten Amtszeit als Präsident das große Talent von der SpVgg Herten - und das in allerletzter Sekunde.

Denn eigentlich war sich Wittkamp schon mit Alemannia Aachen einig, nachdem Nürnbergs Coach Max Merkel ebenfalls an dem torgefährlichen Angreifer interessiert war. Doch das Schalker Idol und die Liebe zu seinem Verein wogen schwer, Wittkamp schloss sich den Knappen an.

Drei Jahre später stand der ehemalige Angestellte der Stadtverwaltung Gelsenkirchen kurz vor dem Sprung zur Nationalmannschaft. Bei einem Juniorenländerspiel am 7. Mai 1969 hatte sich der 1,77 m große Stürmer für internationale Aufgaben empfohlen. Beim 2:2 gegen Österreich schossen er und Horst Köppel die Tore für die DFB-Auswahl.

Dass er später nie für die A-Mannschaft nominiert wurde, lag nicht zuletzt am Bundesliga-Skandal. Er stand am 17. April 1971 im Mittelfeld der Schalker, die an diesem Tag das "verkaufte Spiel" gegen Arminia Bielefeld mit 0:1 verloren. Zwar wechselte er im Sommer 1971 zu Borussia Mönchengladbach, doch 20 Monate danach holten ihn die 2300 Mark ein, die er für die Niederlage gegen die Ostwestfalen kassiert hatte. Er wurde für neun Monate gesperrt.

In dem anschließenden Meineidsprozess war Jürgen Wittkamp der erste, der kurz vor Weihnachten 1975 den Bann brach und gestand. "Ein Entschluss, mit dem alle die, deren Namen ich nenne, einverstanden sind", sagte Wittkamp, der zur Tatzeit 23 Jahre alt war, mit zittriger Stimme. "Ich hab mir nichts dabei gedacht. Nur, man könnte es ja mal machen."

Ein folgenschwerer Fehler, der ihm die Nationalmannschaftskarriere verbaute. Doch international konnte er trotzdem auf sich aufmerksam machen. Erst 1969 mit den Schalkern, die er mit fünf Treffern ins Pokalfinale brachte und anschließend mit den Gladbachern, mit denen er fast alle Titel holte, die man als Vereinsmannschaft gewinnen kann.

Er wurde zum Verteidiger umgeschult und stand mit der Fohlen-Elf dreimal in der Bundesliga am Ende ganz oben in der Tabelle. Zudem wurde er 1973 mit der Borussia Pokalsieger, gewann zwei Jahre danach den UEFA-Cup und stand 1977 in der Elf, die im Finale des Europapokals der Landesmeister mit 1:3 gegen den FC Liverpool verlor.

1978 endete die Bundesliga-Karriere von Jürgen Wittkamp. Er ging zu der SpVgg Erkenschwick, bei der er später auch Trainer wurde.

       
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