02.09.2004: Vor 97 Jahren wurde Fritz Szepan geboren

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Ihn lediglich als "Schwager von Ernst Kuzorra" zu bezeichnen, würde seiner Rolle für Schalke 04 nicht gerecht werden: Fritz Szepan (*2.9.1907) war mehr als 20 Jahre der Stratege im Spiel der Knappen. Er hatte großen Anteil an sechs Meisterschaften und einem Pokalsieg. Darüber hinaus bestritt er 34 Spiele für die Nationalmannschaft und brachte das einmalige Kunststück fertig, Spieler, Trainer und Präsident von Schalke 04 zu sein.

Als der blonde Fritz am 14. Dezember 1974 viel zu früh an den Folgen einer Nieren-Operation starb, trauerte die Schalker Vereinsfamilie um einen ihrer bedeutendsten Mitglieder. Szepan war zusammen mit Ernst Kuzorra der entscheidende Protagonist in der goldenen Ära der Knappen in den 1930er und 1940er Jahren. Doch nicht nur im Verein war er eine prägende Persönlichkeit, auch beim DFB hinterließ er einen bleibenden Eindruck. Bei Szepans Beerdigung sagte Bundestrainer Sepp Herberger: "Du warst einer der Größten, Fritz!"

Dabei hatte der Gelobte während seiner aktiven Laufbahn oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass er zu langsam für Fußball auf höchstem Niveau sei. Er selbst bestritt das immer vehement. Und selbst wenn die Kritiker Recht hatten, Szepan kompensierte fehlende Spritzigkeit durch Spielintelligenz, Übersicht, Technik und ein überragendes Stellungsspiel. Er beherrschte das Mittelfeldspiel sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft. In 30 seiner 34 Partien im DFB-Dress führte er als Kapitän das Team aufs Feld und krönte seine internationale Karriere mit Platz drei bei der Weltmeisterschaft 1934 in Italien.

Sein Debüt im Schalker Dress gab er als 14-Jähriger mit zwei Toren in einem Jugendspiel, am 9. August 1925 lief er zum ersten Mal für die erste Mannschaft auf. Weil sein späterer Schwager Ernst Kuzorra - 1931 heiratete Szepan Elise Kuzorra - an einer Magenverstimmung litt, durfte er mitspielen. Knapp neun Jahre später war die Mannschaft um die beiden Persönlichkeiten auf dem vorläufigen Höhepunkt angelangt. Im Berliner Poststadion gewann Schalke durch ein 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg seine erste Meisterschaft. Szepan markierte in der 88. Minute den Ausgleich, Ernst Kuzorra traf in der Nachspielzeit zum 2:1-Endstand.

Während es auf dem Platz hervorragend für den blonden Fritz lief, war er abseits des Rasens mit weniger Geschick gesegnet. Der ausgebildete Klempner führte ein Tabak-Geschäft, eine Gastwirtschaft und eine Tankstelle: alles mit mäßigem Erfolg. Erst ein Textilwarengeschäft, das den jüdischen Vorbesitzern im Zuge der "Arisierung" von den Nationalsozialisten zwangsenteignet wurde, mehrte das Einkommen der Familie Szepan. Der Blondschopf zahlte den Besitzern Sally Meyer und Julie Lichtmann lediglich den Gegenwert der Räumlichkeiten in Höhe von 7000 Mark. Dies entsprach nicht dem wirklichen Wert des Hauses, der um ein Vielfaches höher lag, wie die Jahreseinnahme 1939 für Szepan in Höhe von 27.000 Mark deutlich belegt. Der Kapitän der Nationalmannschaft gehörte somit zu den Profiteuren der Arisierung. Vor allem dieses Verhalten führte dazu, dass der FC Schalke 04 im Jahr 2002 davon Abstand nahm, einer Straße rund um die Arena AufSchalke den Namen "Fritz-Szepan-Weg" zu geben.

Nach dem 2. Weltkrieg beendete Szepan wegen Knie-Problemen und stärker werdenden Rückschmerzen seine aktive Karriere. Er wurde Trainer und führte von 1949 bis 1954 die Schalker Mannschaft. Seinen größten Erfolg als Coach indes feierte er nicht mit den Königsblauen. 1955 wurde er mit Rot-Weiß Essen, er arbeitete zwei Jahre für den Nachbarverein, deutscher Meister.

Sein Herz jedoch gehörte weiterhin der Blau-Weißen. Die Liebe zu dem Verein war so groß, dass er sich 1963 breitschlagen ließ, das Präsidenten-Amt zu übernehmen. Er führte den Club bis 1967, dann übernahm der geschäftstüchtige Günter Siebert das Ruder. Szepan zog sich nicht zuletzt wegen seiner körperlichen Gebrechen zurück. Sein Rheuma und die Schmerzen im Rücken zwangen ihn dazu, starke Medikamente zu nehmen, die seine Nieren angriffen. Ein anschließender Lungeninfarkt und wahrscheinlich ein Schlaganfall beendeten Ende 1974 sein Leben.

       
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