30.09.2004: Vor neun Jahren gab es eine Polonaise im Dreisamstadion

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Damit hatte niemand gerechnet. Die Personalsorgen bei den Knappen vor der Partie am 30. September 1995 gegen den SC Freiburg waren riesig. Doch die angeschlagenen Spieler bissen die Zähne zusammen und gewannen 2:1 gegen den Tabellen-Dritten des Vorjahres. Tausend Schalker tanzten anschließend auf dem Rasen des Dreisamstadions Polonaise und sangen: "Das ham´ wir lange nicht gesehen."

Nach einem mäßigen Saisonstart, in dem die zehn gewonnen Punkte aus sieben Spielen noch die erfreulichste Nachricht waren, zeigte die Mannschaft von Jörg Berger endlich, was in ihr steckte. Es gab zum ersten Mal seit langem wieder gelungene Spielzüge, zielstrebige Angriffe und vor allem - unbändigen Kampfgeist. Die Akteure in blau-weiß wollten wieder unbedingt gewinnen und ließen sich dabei von widrigen Voraussetzungen nicht abhalten.

Jens Lehmann, Olaf Thon und Martin Max plagten sich mit Muskelproblemen herum, Youri Mulder, Thomas Linke und Waldemar Ksienzyk waren durch einen Magen-Darm-Virus geschwächt. Zudem fielen Marco Kurz (Virus) und Ingo Anderbrügge (Zerrung) beim Abschluss-Training aus. Die Truppe hätte also genug Alibis gehabt, um einen schlechten Auftritt zu erklären. Zwei Profis indes hatten dazu keine Lust: Youri Mulder und Jens Lehmann rissen mit ihrer Leistung und Einstellung die Kameraden mit.

Der niederländische Angreifer erzielte sieben Minuten nach der Pause die Führung. Ein Tor, was viele Schalker erst mit einer gewissen Zeitverzögerung realisierten. Mulder zog aus 25 Metern einfach mal ab, und die Kugel rauschte in den Winkel. "Als ich das Tor geschossen hab´, hat das irgendwie keiner geglaubt", wunderte sich der Angreifer. "Selbst der Schmadtke hat ganz irritiert geguckt. Ich habe mich umgedreht und keiner kam zu Gratulieren. Da habe ich gerufen: Ey, Jungs, ich habe ein Tor gemacht." Einzig Olaf Thon stürmte sofort auf den Torschützen zu, die anderen folgten erst später.

Die Moral stimmte an diesem Tag. Selbst den zwischenzeitlichen Ausgleich (76.) von Uwe Spies steckten die Königsblauen weg. Acht Minuten später erzielte Radek Latal nach einem gelungenen Freistoßtrick das 2:1. Dass es bei diesem Spielstand blieb, war in erster Linie ein Verdienst von Jens Lehmann, der an diesem Nachmittag über sich hinauswuchs. "Weltklasse!", jubelte Jörg Berger über die Wahnsinnsreflexe seines Keepers in der dramatischen Schlussphase. Lehmann und Co. steigerten sich von Spiel zu Spiel und kehrten dank einer furiosen Rückrunde im Sommer 1996 nach 19 Jahren auf die europäische Fußball-Bühne zurück.

SC Freiburg - FC Schalke 04 1:2 (0:0)

Freiburg: Schmadtke, Heidenreich (68. Freund), Vogel, Spanring, Korell, Zeyer, Buric (81. Rraklli), Kohl, Heinrich, Spies, Wassmer

Schalke: Lehmann, Thon (70. Ksienzyk), Linke, Eigenrauch, Latal, Nemec, Weidemann (74. Scheer), Müller, Prus, Max (79. Held), Mulder

Tore: 0:1 Mulder (52.), 1:1 Spies (68.), 1:2 Latal (76.)
Zuschauer: 22.500
SR: Buchhart

       
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