04.10.2004: Vor 93 Jahren wurde Hermann Nattkämper geboren

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Zwei deutsche Meisterschaften, Schalker Stammspieler zu Zeiten von Szepan und Kuzorra: Hermann Nattkämper feiert heute seinen 93. Geburtstag.

Der Mann, der noch heute in Gladbeck wohnt, ist so etwas wie der letzte Mohikaner seines Teams. Er war dabei, als die Knappen 1934 mit einem denkwürdigen 2:1-Sieg über den 1. FC Nürnberg zum ersten Mal die Viktoria, die Trophäe für den deutschen Fußballmeister, an den Schalker Markt holte. Eigentlich ein ausgebildeter Mittelläufer wurde er in dem Finale im Berliner Poststadion als Mittelstürmer aufgeboten. "Ich habe in den sechs Jahren auf Schalke eigentlich alles außer Torwart gespielt", erinnert sich der Allrounder, der sämtliche damalige Mitspieler überlebt hat.

Diese Vielseitigkeit hatte großen Anteil daran, dass die Nürnberger 1934 das Nachsehen hatten. Nattkämper: "Wir lagen in Berlin lange 0:1 hinten. Unser Trainer Bumbas Schmidt beorderte mich dann nach hinten, und Fritz Szepan wechselte in den Angriff." Der blonde Fritz markierte das 1:1 (88.), Kuzorra schaffte kurz vor Schluss den Siegtreffer. Es war bereits die zweite Finalteilnahme für Nattkämper, der ein Jahr zuvor mit den Königblauen der Fortuna aus Düsseldorf den Vortritt lassen musste. 1935 indes gab es den zweiten Titel. Beim 6:4-Sieg gegen den VfB Stuttgart spielte der Fußballer mit Gardemaß linker Verteidiger.

Sein Fußball-ABC erlernte Hermann Nattkämper bei Preußen Gladbeck, wo er 1925 mit 14 Jahren Mitglied wurde. Der nicht immer pflegeleichte Fußballer warf allerdings 1931 die Brocken hin, weil ihn der Vereinswirt Tenbrink nach einem verursachten Elfmeter lautstark kritisiert hatte. Er schloss sich Schalke 04 an und hatte nicht unwesentlichen Anteil am Aufstieg des Arbeitervereins. "Ich war damals so etwas wie das Bindeglied zwischen Kuzorra und der Mannschaft. Einmal kam sogar die ganze Truppe zu uns nach Hause an die Buersche Straße, damit ich Meinungsverschiedenheiten bei Prämien regeln sollte."

Ein Jahr nach der Meisterschaft 1935 gegen den VfB Stuttgart war nach 44 Gauligapartien (27 Tore) sowie 30 Endrundenspielen um die deutsche Meisterschaft (10 Treffer) Schluss mit Schalke. Der Beruf als Stadt-Amtmann und die Mithilfe im elterlichen Getränke-Großhandel erhielt Priorität. In russischer Gefangenschaft kickte Nattkämper noch ein paar Mal in einer Danziger Mannschaft, dann hängte er die Schuhe an den Nagel. "Als ich 1948 aus der Gefangenschaft zurückkam, war schon körperlich an Fußball nicht zu denken."

Heute lebt Nattkämper mit seiner Ehefrau Hildegard, die er 1939 heiratete, zurückgezogen in Gladbeck und genießt sein Rentner-Dasein. Neid oder Wehmut, dass er mit seinen damaligen Fähigkeiten heute viel Geld verdienen könnte, sind ihm fremd. "Es war eine schöne Zeit", sagt er in solchen Momenten und die Frau an seiner Seite erinnert an die Privilegien, die ein Schalker Meisterspieler damals besaß. "Wir haben vor dem Krieg einmal im Sauerland Urlaub gemacht. Als wir ankamen, haben uns viele Hoteliers ein Zimmer angeboten. Alle wollten, dass wir bei ihnen übernachten."

       
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