08.10.2004: Vor acht Jahren wurde Huub Stevens Trainer auf Schalke

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Er trat ein schweres Erbe an. Am 8. Oktober 1996 übernahm Huub Stevens den Job von Jörg Berger, der bei den Fans überaus beliebt war. Neun Monate später führte der Limburger die Knappen UEFA-Cup-Sieg. Was im Herbst 1996 kaum jemand für möglich gehalten hätte: Stevens blieb über 2000 Tage im Ruhrgebiet.

Fünf Jahre und sieben Monate - so lange durfte bisher noch kein Trainer für den Traditionsverein arbeiten. Eine Kontinuität, die in Stevens´ Lebenslauf selbstverständlich ist. Sieben Jahre spielte er in seiner Heimatstadt bei Fortuna Sittard, wechselte anschließend zum PSV Eindhoven, wo er nach neun Profi-Jahren sieben Spielzeiten als Jugendleiter agierte. Mit dem PSV wurde er dreimal niederländischer Meister, gewann den nationalen Pokal und 1978 den UEFA-Cup.

1993 folgte das erste Engagement als Cheftrainer. Stevens führte Roda Kerkrade in den UEFA-Cup und traf in der ersten Runde des Wettbewerbs 1996/97 auf den FC Schalke 04. Die Knappen setzten sich mit einem 3:0 im Parkstadion und einem 2:2 in Kerkrade durch. Die Niederländer waren somit ausgeschieden, Stevens indes bekam eine zweite Chance. Am 3. Oktober wurde Jörg Berger entlassen, am 8. Oktober verpflichteten die Knappen den Niederländer. Es war der Beginn einer wunderbaren Gemeinschaft.

Schalkes Vorstandsvorsitzender Gerd Rehberg stellte schnell fest, dass Stevens ein "Typ ist, der gut ins Ruhrgebiet passt". Kein Selbstdarsteller, der mit viel heißer Luft fehlende Charakterstärke kompensiert. Ein patenter, aber nicht ganz pflegeleichter Dickkopf. Er lebt das vor, was er auch von seinen Akteuren erwartet: Disziplin, Zähigkeit und den unbändigen Willen das Spiel zu gewinnen. "Wenn wir verloren haben, bin ich sauer, enttäuscht", betont Stevens. "Ich frage mich dann immer, wie ich das vielleicht hätte verhindern können."

Dabei ging seine Gründlichkeit auf Schalke so weit, dass sie bisweilen bizarre Züge annahm. Bestes Beispiel: die Sekunden nach dem verwandelten Elfmeter von Marc Wilmots im Giuseppe-Meazza-Stadion, der den Schalkern den UEFA-Cup bescherte. Während die Spieler aufs Feld rannten, sich überall jubelnde Trauben bildeten und Rudi Assauer einen Freudentanz aufführte, riss Stevens kurz die Arme in den Mailänder Nachthimmel, steckte dann sorgfältig die Kappe auf den Filzstift. Erst danach schloss er Co-Trainer Hubert Neu in die Arme.

Der Triumph 1997 ist nicht der einzige Erfolg, den Stevens mit dem Verein feiern durfte. Nach zwei erfolglosen Jahren von 1998 bis 2000, in denen Assauer und der Vorstand trotz des mächtigen Drucks der Medien am Fußballlehrer festhielten, kehrten die Königsblauen in die Erfolgsspur zurück. Die Saison 2000/2001 gehört zu den besten und erfolgreichsten Spielzeiten der Schalker Vereinsgeschichte. Das Team um Torwart Oliver Reck, Kapitän Tomasz Waldoch, Spielmacher Andreas Möller und Torschützenkönig Ebbe Sand verpasste nur ganz knapp auf dramatische Weise die Meisterschaft und gewann zum ersten Mal seit 29 Jahren den DFB-Pokal. Ein Jahr später gelang die Berlin eine Wiederholung.

Im Sommer 2002 verließ "der beste Trainer, den Schalke je hatte" (O-Ton Rudi Assauer) seine zweite Heimat. "Es gibt eine Zeit des Kommens und eine Zeit des Gehens. Die ist jetzt gekommen", erklärte Stevens. "Schalke ist Teil meines Herzens geworden. Aber es ist gut, wenn die Mannschaft mal ein neues Gesicht sieht."

Stevens heuerte bei Hertha BSC Berlin an, wurde dort jedoch nicht glücklich und später wegen Erfolglosigkeit entlassen. Seit Sommer 2004 ist der zweifache Familienvater Trainer beim 1. FC Köln. Welche Wertschätzung der Coach auch heute noch bei den Schalker Anhängern genießt, zeigte sich bei der großen Jubiläumsfeier am 8. Mai 2004 in der Arena AufSchalke. Stevens erhielt nicht enden wollende Ovationen ("Huub Stevens, oho!"). Und der "harte Hund" ging beim Kampf mit den Tränen der Rührung nicht als Sieger hervor. Oder um es mit einen von Stevens' Kernsätzen zu sagen: "Wir sind alle Menschen und haben Gefühle."

       
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