09.10.2004: Vor 28 Jahren demütigte Schalke die Bayern

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Der eloquente Günter Siebert war zu seiner Amtszeit als Schalke-Präsident nie um große Worte verlegen. "Heute haben wir die Alpen verschoben", sprudelte es aus ihm am 9. Oktober 1976 heraus. Seine Jungs hatten gerade den großen FC Bayern München gedemütigt und ihm beim 7:0 im eigenen Stadion regelgerecht vorgeführt.

Dabei deutete im Vorfeld nur wenig auf einen derartigen Ausgang hin. Die Knappen hatten die alle vier vorausgegangenen Auswärtspartien der Saison verloren (0:2 in Kaiserslautern, 0:1 in Braunschweig, 0:2 in Köln und 3:6 in Frankfurt), die Münchner indes im Olympiastadion sowohl Tennis Borussia Berlin (9:0) als auch dem 1. FC Köln (4:1) keine Chance gelassen. Und selbst zur Halbzeit, Klaus Fischer nach Abramczik-Vorarbeit und Erwin Kremers auf Bongartz-Flanke hatten die Königsblauen mit 2:0 in Führung gebracht, trauten viele Schalke-Anhänger dem Braten nicht. Hatten die Königsblauen doch beim 3:6 in Frankfurt ein 2:0 verspielt, die Bayern ein paar Wochen vorher aus einem 0:4-Rückstand gegen den VfL Bochum noch einen 6:5-Sieg gemacht.

Doch kurz nach dem Wiederanpfiff schlugen die Schalker zum dritten Mal zu. Rüdiger Abramczik brachte den Ball in die Mitte, Klaus Fischer hechtete über den Rasen und war mit dem Kopf zur Stelle. Ein Spielzug, der für die Herangehensweise der Schalke an diesem Tag symptomatisch war. "Vor allem über die Außen haben wir sie gepackt", analysierte Regisseur Hannes Bongartz. "Abi und Erwin, die haben die eingedreht, das war eine Pracht! Dazu Fischken in der Mitte: Das Spiel zeigte, was wir für eine große Mannschaft waren."

Manni Dubski, der ausgerechnet in diesem Spiel sein erstes Bundesliga-Tor, den Treffer zum 4:0, erzielte, kam nachher aus dem Staunen kaum raus. "Irgendwie konntest du das gar nicht begreifen. Wir waren ja auch viele junge Spieler: Berni Thiele, Bruno Bruns, Abi, Zico Gede und ich. Und dann knallst du die Weltmeister von den Bayern mit sieben Toren weg. Unglaublich!"

Ohne die beiden Leistungsträger Helmut Kremers und Branko Oblak, der auf Länderspielreise war, zauberten die Knappen bei den Bayern, die im Sommer noch Europas Fußball-Thron erobert hatten. Rüdiger Abramczik durfte beim 6:0 auch mal ran, den Rest besorgte der Goalgetter aus Zwiesel. Das 5:0 (67.) und das 7:0 (82.) waren die Treffer drei und vier für Klaus Fischer an diesem Oktober-Tag. Die logische und schon längst überfällige Konsequenz: "Ein solcher Mittelstürmer gehört in die Nationalmannschaft", forderte nach dem Spiel Franz Beckenbauer. Und damals wie heute hatte das Wort des Kaisers Gewicht. Ein halbes Jahr später wurde Fischer, der wegen des Bundesliga-Skandals jahrelang vom DFB ignoriert wurde, Nationalspieler.

Der Kantersieg gegen die Bayern läutete die Wende in der Saison 1976/77 ein. Die Mannschaft von Coach Friedel Rausch glaubte endlich an sich und landete am Ende der Saison auf dem zweiten Tabellenplatz.

FC Bayern München - FC Schalke 04 0:7 (0:2)

Bayern: Maier, Horsmann, Beckenbauer, Schwarzenbeck (46. Arbinger), Hoeneß, Weiß, Dürnberger, Kapellmann, Müller, Künkel (46. Seneca), K.-H. Rummenigge

Schalke: Maric, Thiele, Fichtel, Rüssmann, Sobieray, Dubski (81. Bruns), Lütkebohmert, Bongartz, R. Abramczik, Fischer, E. Kremers (51. Gede)

Tore: 0:1 Fischer (11.), 0:2 E. Kremers (44.), 0:3 Fischer (46.), 0:4 Dubski (64.), 0:5 Fischer (67.), 0:6 R. Abramczik (74.), 0:7 Fischer (82.)

Zuschauer: 50.000 Schiedsrichter: Linn (Altendiez)

       
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