10.10.2004: Vor 61 Jahren wurde Reinhard Libuda geboren

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"An Gott kommt keiner vorbei - außer Stan Libuda!" Egal, ob dieser Satz nun der Phantasie eines Journalisten entstammt, oder ob es wirklich ein Plakat mit dieser Aufschrift gegeben hat, die Existenz und die Popularität dieser Aussage verdeutlicht, dass Reinhard "Stan" Libuda (*10. Oktober 1943) für Schalke 04 mehr war und ist als ein Fußball-Spieler.

Ernst Kuzorra wird auf Schalke verehrt, Klaus Fischers Tore sind jetzt schon Legende und bei dem Gedanken an den begnadeten Techniker Olaf Thon schnalzen die Anhänger noch heute mit der Zunge. Geliebt wurde in dem Arbeiterverein aber vor allem ein Mann: "Liii-buuu-daa!" Ron Greenwood, Trainer von West Ham United, sagte einmal über ihn: "Er ist ein Individualist, der den Mut hat, das scheinbar Unglaubliche und Unmögliche wahr zu machen."

Reinhard Libuda, der in Anlehnung an den englischen Dribbel-König Sir Stan Matthews nur "Stan" gerufen wurde, war ein Künstler in einer Stadt voller Malocher. Der Ball klebte an seinem Fuß, Gegner waren für ihn oft nur Slalomstangen. Jeder wusste, was er machen würde: links antäuschen - und rechts vorbeigehen. Doch er zelebrierte diesen Trick mit so viel Tempo, mit so viel Raffinesse, dass die Verteidiger dennoch meistens ins Leere grätschten.

Seine Geschichte begann am 10. Oktober 1943 in Wendlinghausen bei Lemgo. Dort hatte es die Familie Libuda wegen des Zweiten Weltkriegs hinverschlagen. Später jedoch ging es zurück nach Gelsenkirchen, und so wurde der Filius von Papa Paul, der selbst ein trickreicher Stürmer bei Gelsenkirchen 07 war, 1952 bei Schalke 04 angemeldet. Im August 1962 spielte er zum ersten Mal für die erste Mannschaft in der Oberliga, ein gutes Jahr später gab er als 19-Jähriger sein Debüt in der Nationalmannschaft.

Bis 1975 absolvierte er fast 250 Pflichtspiele für die Knappen. Wurde mit "seinem Verein" DFB-Pokalsieger 1972, landete in der Bundesliga-Saison auf dem zweiten Rang und brachte die deutsche Nationalmannschaft mit dem 3:2 im Qualifikationsspiel gegen Schottland zur Weltmeisterschaft 1970. Seinen größten internationalen Erfolg feierte er mit Borussia Dortmund, für die er von 1965 bis 1968 die Fußball-Schuhe schnürte. Sein Tor zum 2:1 im Finale gegen den FC Liverpool sicherte dem Reviernachbarn den Europapokal der Pokalsieger.

Dieses Sakrileg vergaben ihm die Schalker Anhänger ebenso wie die Verwicklung in den Bundesliga-Skandal, der seine Laufbahn im Endeffekt beendete. "Davon habe ich mich nicht mehr erholt", so Libuda. "Das hat mit die Lust am Fußball genommen." An dem Sport, den er beherrschte wie kein Zweiter, der ihn bekannt machte, der ihm Selbstvertrauen gab.

Abseits des grünen Rasens war er weniger erfolgreich. Für einen Geschäftsmann, er übernahm den Tabak-Laden von Ernst Kuzorra, war er zu introvertiert, gar menschenscheu. Zu oft sagte er, was er dachte. War bisweilen aufbrausend und jähzornig. "Er hat sich nie für etwas entschuldigt. Dadurch hat er es sich nicht gerade leicht gemacht", erinnert sich Jürgen Grabowski, der bei der WM 1970 das Zimmer mit ihm teilte. "Warum war er nie diplomatischer?"

Als es ihm finanziell schlecht ging, wollten ihm die ehemaligen Kameraden unter die Arme greifen. Doch Libuda ließ sich nicht helfen. Er erfüllte alle Kriterien eines antiken Helden. Inklusive des Scheiterns. Er verlor seinen Besitz, musste die Scheidung von seiner Frau Gisela hinnehmen: Am Ende blieb ihm nur noch seine Mutter und Sohn Mathias. Reinhard Libuda bekam Kehlkopfkrebs und starb am 25. August 1996 an Herzversagen.

500 Trauergäste, darunter viele ehemalige Weggefährten wie Rolf Rüssmann, Rudi Assauer und Jürgen Grabowski nahmen an der Beerdigung auf dem Ost-Friedhof in Gelsenkirchen-Hüllen teil. Dort widerlegte Pfarrer Georg Rücker die legendäre These: "Der letzte Lauf seines Lebens wurde von Gott gestoppt."

       
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