16.10.2004: Vor 99 Jahren wurde Ernst Kuzorra geboren

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Sätze über ihn sollten wohlüberlegt sein. Immerhin war er Schalkes größter Sohn. Einige meinen sogar, er sei Schalke gewesen. Für Helmut Schön, den ehemaligen Bundestrainer und Gegenspieler der Knappen-Legende, war Ernst Kuzorra (*16. Oktober 1905) schlicht "der größte Fußballer seiner Zeit. Er ist sicher auf eine Stufe zu stellen mit Fritz Walter oder Franz Beckenbauer."

Welche Bedeutung der Mann, der am Neujahrstag 1990 verstarb, für den Verein und Gelsenkirchen hat, verdeutlicht bereits ein Blick auf den Stadtplan. Der Platz vor der Glückauf-Kampfbahn trägt seinen Namen und die Anschrift der Geschäftsstelle von Schalke 04 lautet: Ernst-Kuzorra-Weg 1. Zusammen mit seinem Schwager Fritz Szepan war er der Kopf der Mannschaft, die in den 30er und 40er Jahren sechs Meisterschaften und einen Pokalsieg feiern konnte.

Der Legende nach trug der Sohn eines Bergmanns eine Woche nach seiner Konfirmation zum ersten Mal das Schalke-Trikot. Für das Spiel der B-Junioren gegen Erle fehlte der elfte Mann, kurzerhand wurde Kuzorra, der eher zufällig an dem Platz vorbeikam, rekrutiert. Ein Glücksgriff: Der "Neue" steuerte vier Tore zum Sieg gegen den Favoriten bei.

Mit 17 Jahren gab er sein Debüt in der ersten Mannschaft; am 22. April 1923 wurden die Sportfreunde 07 aus Essen mit 4:1 vom Platz gefegt. Kuzorra war von Beginn an Führungsspieler. Und das nicht nur auf dem Platz: "Wir hatten immer einen Trainer, aber die Aufstellung habe ich gemacht", betonte der schussgewaltige Linksfuß gerne. Der Schalker Kreisel drehte sich in die Richtung, die Kuzorra befahl. "Was der Clemens sagte, haben wir Jungen immer akzeptiert", bestätigte Sturmkollege Ernst Kalwitzki und Schalkes Vorsitzender Gerd Rehberg ergänzt: "Er war immer sehr dominierend."

Seine fleißige, ehrliche, knorrige und kompromisslose Art stand ihm manchmal aber auch im Weg. So geriet er 1933 beispielsweise mit Reichstrainer Prof. Otto Nerz aneinander, als der Fritz Szepan für das Spiel gegen Belgien nicht berücksichtigen wollte. Ende vom Lied: Kuzorra absolvierte lediglich zwölf Länderspiele.

1950 endete die aktive Karriere des kampfstarken und zugleich filigranen Fußballers. Offiziell bestritt er gut 350 Pflichtspiele, in denen Kuzorra 265 Tore erzielte. Zählt man seine Treffer aus den unzähligen Freundschaftsspielen und seiner Juniorenzeit hinzu, dürfte er sicherlich an die 1000 Mal den Ball im gegnerischen Kasten versenkt haben. Ernst Kalwitzki: "Ich wüsste keinen, der so häufig ins Netz traf."

Nachdem er die Schuhe an den Nagel gehängt hatte, konnte er sich auf seinen Tabakladen konzentrieren, den er erst in der Gewerkenstraße und anschließend am Schalker Markt führte. Dem Verein blieb er allerdings bis zu seinem Tode eng verbunden. Zwar nur kurz im Präsidium, das Geschacher in der Vereinspolitik war nicht seine Sache, und ebenfalls nur übergangsweise auf der Trainerbank, er spielte 1970 als Inhaber der Trainerlizenz den Strohmann für Slobodan Cendic, doch als Berater und Identifikationsfigur war er dem Verein von großem Wert.

       
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