17.10.2004: Vor elf Jahren trat Günter Eichberg zurück

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Am 17. Oktober 1993 platzte der Traum endgültig. Günter Eichberg wollte den FC Schalke 04 zu einer Top-Adresse im europäischen Fußball machen und sich mit einem neuen Stadion ein Denkmal setzen, einen Tag nach dem 1:5-Debakel in Leverkusen trat der einstige "Sonnenkönig" jedoch zurück. Er hinterließ nach einem vielversprechenden Start am Ende in erster Linie verbrannte Erde.

Günter Eichberg kam als Retter zum Club. Im Herbst 1988 stand der Verein nämlich mit dem Rücken zur Wand. Die Mannschaft war im Sommer zum dritten Mal aus der Bundesliga abgestiegen und steuerte sogar auf die Amateurliga zu. Zudem war der Kapitän über Bord gegangen. Michael Zylka legte nach nur drei Tagen (21. bis 24. November) sein Amt als Präsident nieder.

Es schlug die Stunde des ehemaligen Geschäftsführers der AOK Gütersloh, der zusammen mit seiner Lebensgefährtin Christa Paas, einer Immobilienmaklerin, ein Imperium von Krampfadern-Kliniken aufgebaut hatte. Günter Eichberg ließ sich am 16. Januar 1989 zum Präsidenten wählen und setzte einige finanzielle Spritzen. Trainer Diethelm Ferner musste gehen, Peter Neururer kam und bewahrte den Verein vor dem Abstieg aus dem bezahlten Fußball.

Statt den Verein mit Augenmaß wieder nach oben zu führen, öffnete der gefeierte Monarch seine Privat-Schatulle und schmiss mit Geld um sich. Er ersetzte den beliebten Neururer durch Wunschtrainer Aleksander Ristic und lockte Profis mit Traumgehältern ins Ruhrgebiet. Anfangs ging die Rechnung auf. Schalke 04 kehrte 1991 in die Bundesliga zurück.

Eichberg sonnte sich im Erfolg und verlor den Überblick. Stareinkäufe wie Radmilo Mihajlovic oder Bent Christensen entpuppten sich als Millionen-Flops, "Telefonmanager" Günter Netzer und Meistertrainer Udo Lattek konnten ebenfalls nicht halten, was sich Eichberg von ihnen versprach. Viele machten sich auf Schalke die Taschen voll, erst spät wurden die Folgen des verschwenderischen Umgangs mit den finanziellen Ressourcen sichtbar. Der Club und die Schalker Marketing GmbH, die für den Verein die Spielertransfers abwickelte, hatten 1993 einen Schuldenstand von 20 Millionen Mark angehäuft.

Zu diesem Zeitpunkt sprach vom "schönsten Stadion Europas" keiner mehr, mit dem Eichberg 1990 Fans und Medien ins Staunen versetzt hatte. Die Vision von der Mehrzweckhalle, die 50.000 Zuschauern Platz bieten und 40 Veranstaltungen pro Jahr beheimaten sollte, war schon längst wieder in den Schubladen verschwunden.

Das Konzept einer neuen Arena sollte erst später durch einen Mann verwirklicht werden, den Eichberg im Frühjahr 1993 zum Verein zurückholte: Rudi Assauer. Mit anderen Entscheidungen indes hatte Eichberg weniger Fortune. Mit seinen Kliniken ging es bergab, er bekam Probleme mit dem Finanzamt und floh aus Deutschland. Sein Firmenimperium brach schließlich zusammen. Heute lebt Eichberg in der Nähe von Wiesbaden, berät Kliniken und Krankenkassen und ist ehrenamtlicher Bürgermeister in Bad Bertrich, einem Staatsbad in Rheinland-Pfalz.

       
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