19.11.2004: Die "Tanne" wird 60 Jahre alt: Herzlichen Glückwunsch, Klaus Fichtel!

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Er ist einer der ganz Großen in der königsblauen Geschichte. Aber nicht nur bei den Knappen, in der gesamten Bundesliga-Historie hat Klaus Fichtel Bedeutendes geleistet und Bestmarken aufgestellt. Heute wird "Tanne", wie er auf Schalke gerufen wird, 60 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!

Die imposanten Zahlen lassen erkennen, welch außergewöhnlicher Sportler Klaus Fichtel war. 552 Bundesliga-Spiele für Schalke 04 und Werder Bremen stehen zu Buche. Eine Marke, die nur Manfred Kaltz und Karl Heinz Körbel übertroffen haben. Doch keiner bestritt einen Bundesligaeinsatz in einem höheren Alter: Fichtel war 43 Jahre, sechs Monate und zwei Tage alt, als er nach 23 Jahren in der höchsten deutschen Spielklasse noch einmal bei der Partie gegen Werder Bremen am 21. Mai 1988 zum Einsatz kam.

Auch in den Schalker Annalen steht Fichtel ganz oben. 549 Pflichtspiele absolvierte der Jubilar insgesamt für die Knappen, 477 Partien davon in der Bundesliga. Werte, die weder Klaus Fischer, Norbert Nigbur, Olaf Thon, Bernie Klodt oder Stan Libuda erreichten. Und auch Ernst Kuzorra und Fritz Szepan, für die seit 1933 355 bzw. 346 Partien zu Buche stehen, hätten in der Zeit von 1925 bis 1933 - hierfür gibt es derzeit noch keine offiziellen Zahlen - nahezu alle Pflichtspiele bestreiten müssen, um halbwegs in die Nähe dieser Zahl zu gelangen.

Die Geschichte Klaus Fichtels kann für einen Schalker Knappen typischer nicht sein. Viereinhalb Jahre arbeitete der in Castrop-Rauxel geborene Fichtel unter Tage, bevor Fritz Langner ihn im Alter von 20 Jahren von Arminia Ickern zum FC Schalke 04 holte. In der Saison 1965/66 begann für Fichtel das Abenteuer Bundesliga, das in den ersten drei Jahren nur ein Ziel hat: den Klassenerhalt mit den Knappen. Die Königsblauen überstanden diese schweren Zeiten. Der Neuzugang zeigte früh seine Qualitäten in der Defensive und etabliert sich schnell als einer der besten Abwehrchefs der Liga.

Bereits 1966 rückte Fichtel ins Blickfeld der Nationalmannschaft. Doch die Weltmeisterschaft in England komme für ihn zu früh, schiebt sein Vereinstrainer der internationalen Karriere Fichtels zunächst einen Riegel vor. Ein Jahr später allerdings gibt es keine Einwände mehr und Fichtel absolvierte sein erstes von 23 Länderspielen beim 5:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Marokko.

1970 gehörte er zum Aufgebot für die Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko. Dass die deutsche Elf überhaupt dorthin kommt, ist nicht zuletzt ein Verdienst des Schalkers. Im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Schottland steuerte Fichtel genau wie sein Vereinskollegen Stan Libuda einen Treffer zum 3:2-Sieg bei und sichert den Deutschen somit die Fahrkarte zur WM. Bei der Weltmeisterschaft stand er bis zum Halbfinale in vier Spielen auf dem Feld. Und die deutsche Mannschaft gewinnt alle Spiele. In der Vorschlussrunde entscheidet sich Bundestrainer Helmut Schön gegen "Tanne" und für Bernd Patzke. Deutschland unterliegt im Jahrhundertspiel Italien mit 3:4. Im Spiel um Platz drei gegen Uruguay kehrt mit Fichtel wieder der Erfolg zurück, gewinnen die Deutschen doch mit 1:0.

Auch im Verein stellen sich zu Beginn der 1970er-Jahre die Erfolge ein. Mit einer blutjungen Mannschaft sorgen die Knappen für sportliche Topleistungen. Mit einer beeindruckende Serie von 16 Siegen in 17 Heimspielen stürmen die jungen Schalker zur Vizemeisterschaft und zum zweiten Pokalsieg in der Vereinsgeschichte. Doch der Bundesliga-Skandal wirft bereits in der Zeit des Erfolges große Schatten. Die "verkaufte" Partie gegen Arminia Bielefeld hat eine für Fichtel ganz eigene Tragik. Beim Stande von 0:0 muss er bereits zur Pause verletzt ausgetauscht werden. Auch in den Jahren danach - und übrigens heute noch - bekräftigte Fichtel immer wieder: "Ich habe nicht geschoben." Deshalb dauerte sein Verfahren vor den Gerichten am längsten, bis zu Beginn des Jahres 1977, bevor das Verfahren mit einer letzten Sperre und einem Bußgeld -- aber nicht mit einem Schuldeingeständnis Fichtels eingestellt wird.

Die Nationalmannschaftskarriere war somit beendet, aber 1977 feierten die Knappen die Vizemeisterschaft. 1980 wurde Fichtel, mittlerweile 35 Jahre alt, Opfer eines Verjüngungsprozesses. Er folgte einem Angebot von Rudi Assauer, zu Werder Bremen zu wechseln. Dort schaffte er mit den Grün-Weißen den Aufstieg in die Bundesliga, wurde 1982/83 Vizemeister und spielte im UEFA-Pokal, während die Knappen den Weg in die zweite Liga antreten mussten.

Wiederum ist es Rudi Assauer, der - jetzt in Diensten von Schalke 04 - "Tanne" zur Saison 1984/85 als Co-Trainer zurückholte. Allerdings tauschte Fichtel nach dem Ausfall des 37-jährigen Liberos Bernard Dietz den Platz auf der Bank mit dem im Abwehrzentrum der Knappen. Für die Schalker Fans ist nach der Rückkehr des 40-Jährigen auf den Platz klar: "Der Wald stirbt, die Tanne steht".

Als am 26. August 1986 das Abschiedsspiel von Klaus Fichtel gegen eine Auswahl um Uwe Seeler und Johan Cruyff stattfindet, scheint die aktiven Laufbahn endgültig beendet. Doch noch einmal ruft sein Verein. In höchster Abstiegsnot soll "Tanne" 1988 den Absturz in die Zweitklassigkeit verhindern, doch die Rettungsaktion missglückt.

Allerdings ist Fichtel auch nach seiner aktiven Zeit weiter für die Knappen tätig. Zunächst als Jugend- und Amateurtrainer, später gibt er den Trainerjob auf und arbeitet seitdem für seinen Verein als Scout. Seinen 60. Geburtstag begeht er im Kreise seiner Familie.

       
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