02.12.2004: Vor 89 Jahren wurde Emil Östreicher geboren

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Phantasie ist vonnöten, um diese Geschichte zu glauben: Im Urlaub lernt ein Präsident einen Hotelbesitzer kennen und plaudert mit ihm über Fußball. Kurze Zeit später besucht der Hotelier seinerseits den Vorsitzenden, schaut sich dessen Club an und wird schließlich Manager des Vereins. So geschehen auf Schalke mit den Hauptdarstellern Dr. Karl-Heinz Hütsch und Emil Östreicher (*2. Dezember 1915).

Im Juli 1977 schließlich wurde der ungarische Selfmade-Mann "persönlicher Berater mit Managerfunktionen" auf Schalke. Hütsch war geblendet von der beeindruckenden Vita des "Don Emilio". Diese begann 1950 beim ungarischen Seriensieger Honved Budapest. Sechs Jahre lang managte Östreicher den Verein, der damals den Großteil der ungarischen Wundermannschaft stellte: Puska, Kocsic, Cibor, Torwart Grocsic usw.

Nach der Revolution in Ungarn beschloss der umtriebige Geschäftsmann 1956 sein Heimatland zu verlassen. Er landete schließlich 1957 nach einem Engagement beim Wiener SK bei Real Madrid, wo er ähnlich wie später auf Schalke den Vorstand beriet. Wie groß allerdings sein Anteil an dem Erfolg des weißes Balletts war, das zwischen 1956 und 1960 fünfmal in Folge der Europapokal der Landesmeister gewann, ist schwer zu sagen.

Fest hingegen steht: Östreicher ging 1963 nach Italien zum AC Turin. War anschließend bei Espanol Barcelona (1965-71) sowie dem Valencia CF (1972-76) beschäftigt. Danach setzte er sich im spanischen Badeort Benidorm zur Ruhe, wo er im Frühjahr 1977 Dr. Hütsch kennen lernte, der in seinem Hotel zu Mittag aß.

Er fiel "auf Schalke" besonders durch seine lockeren Sprüche auf. So kommentierte er die 1:7-Niederlage gegen die Bayern salopp: "Lieber einmal 1:7 als siebenmal 0:1 verlieren." Ernst Kuzorra mochte ihn nicht, und dass nicht nur, weil er stets sein Goldamulett küsste. Er versprach Schalke eine goldene Zukunft und setzte einen Transfer nach dem anderen in den Sand. Weder der Niederländer Wim Suurbier noch der schwedische Fußballer des Jahres Lennart Larsson oder Nationalspieler Manfred Ritschel konnten auf Schalke dauerhaft überzeugen.

Das Thema "Don Emilio" erledigt sich für S04 am 9. März 1978. Ex-Präsident Günter Siebert erstritt sich auf der Jahreshauptversammlung per Einstweiliger Verfügung Rederecht. Der glänzende Rhetoriker eroberte sein ehemaliges Reich im Handstreich zurück und löste Hütsch als Präsident wieder ab. Dieser hatte sich ohnehin durch die Fehde mit Vereinsdenkmal Kuzorra die Wut vieler Anhänger zugezogen. Siebert fiel auf, dass Emil Östreicher keinen Vertrag mit dem Verein hatte, sondern nur mit Hütsch. Der Ungar durfte umgehend seine Sachen packen.

       
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