03.12.2004: Vor acht Jahren wurde aus Herrn Eigenrauch wieder "Yyyves"

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Der Kapitän war sich sicher: "Ich gehe davon aus, dass wir jetzt in den Geschichtsbüchern von Schalke auftauchen", sagte Olaf Thon nach dem 2:0 im UEFA-Cup gegen den Club Brügge. Der Sieg im Rückspiel am 3. Dezember 1996 bedeutet den Einzug der Knappen ins Viertelfinale. Großen Anteil daran hatte Defensiv-Mann "Yyyves" Eigenrauch.

30 Minuten lang sah es so aus, als müssten die Anhänger nicht mehr um das Weiterkommen bangen. Nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel gingen die Schalker in der 9. Minute durch Martin Max in Front, der von einer herrlichen Vorarbeit von Marc Wilmots profitierte. Es war allerdings der einzige Treffer der Sturm- und Drangperiode. Wilmots war mit seinen kernigen Schüssen genauso erfolglos wie Mike Büskens oder Max bei weiteren Möglichkeiten.

Somit musste in Durchgang zwei gezittert werden, was nicht nur auf den Nieselregen im Parkstadion zurückzuführen war. Die Belgier lösten sich aus der königblauen Umklammerung und legten den Vorwärtsgang ein. Das Spielgeschehen verlagerte sich vor das Tor der Knappen, wo ein Mann über sich hinauswuchs: Yves Eigenrauch.

Gerade eine Verletzung auskuriert, war es seine Heimpremiere nach der Trainerentlassung von Jörg Berger. Der Mindener hatte sich den Zorn des Publikums auf sich gezogen, als er in einer hitzigen Diskussion, in dessen Verlauf er einige Beschimpfungen schlucken musste, gesagt hatte: "Wir sind den Fans keine Rechenschaft schuldig."

Dieser Satz würde ihm übel genommen. Beim Auswärtsspiel in Freiburg hatte er Pfiffe gegen die eigene Person ertragen müssen, jetzt war er gespannt, wie ihn die Anhänger im eigenen Stadion empfangen würden. Mitte der zweiten Halbzeit war klar: Der Herr Eigenrauch war wieder "Yyyves". Er bot eine leidenschaftliche Vorstellung und krönte sie mit einer dreifachen Rettungstat Mitte der zweiten Hälfte. Der Abwehrmann klärte er innerhalb von wenigen Sekunden dreimal per Flugkopfball.

Die Menge tobte, während der Hauptdarsteller die Szene hinterher wie folgt kommentierte: "Es war mit eher peinlich. Mein erster Gedanke war, wie albern diese Situation gewirkt haben muss. Du springst dreimal genau gleich ab, das Ganze aus Kräftemangel ein bisschen ungelenk. Irgendwie echt albern." Aber effektiv und mitreißend. Das Abwehrbollwerk hielt, Brügge erspielte sich keine einzige Torchance und Youri Mulder verjagte durch sein 2:0 per Kopf in der 90. Minute die letzten Zweifel.

Schalke war zum ersten Mal seit 24 Jahren im Viertelfinale eines europäischen Vereinspokals. Zudem war das Team von Coach Huub Stevens die einzige deutsche Mannschaft, die sich noch im Wettbewerb befand. "Der Schlusspfiff war für mich der, der die meiste Bedeutung hatte", so Eigenrauch nach Spielende. "Wegen meiner persönlichen Situation, wegen des sportlichen Erfolges, wegen dieses unglaublichen Dauerregens, wegen der sensationellen Stimmung im Stadion. Das hat mich sogar noch mehr ergriffen als der Jubel nach dem Elfmeterschießen in Mailand."

FC Schalke - Club Brügge 2:0 (1:0)

Schalke: Lehmann, Thon, Linke, de Kock, Latal (88. Kurz), Nemec, Wilmots, Eigenrauch, Büskens, Max (52. Wagner), Mulder

Brügge: Verlinden, Lembi, Staelens, Renier, Borkelmans (86. Danilevcius), Vermant, Verjans, van der Elst, Nielsen (73. de Coninck), Verheyen, Stanic

Tore: 1:0 Max (9.), 2:0 Mulder (90.)
Zuschauer: 46.300
SR: Pereira

       
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