09.12.2004: Vor 37 Jahren glänzte Gerd Neuser mit ungewohnten Qualitäten

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Lange musste man ihn zum Profifußball überreden. Erst Fritz Szepan schaffte es, Gerd Neuser zum FC Schalke 04 zu locken. Ein Schritt, den beide Seiten nicht bereuten. Zwar waren Tore wie das 1:1 gegen Eintracht Frankfurt am 9. Dezember 1967 eher selten, doch war der Amateur-Nationalspieler für den Verein ungemein wertvoll. Was nicht zuletzt die Wahl zur Schalker Jahrhundertelf im Jahr 2000 bewies.

Dort tauchte im Mittelfeld auf Rang sieben sein Name auf. Und nicht wenige, vor allem jüngere Anhänger fragten sich damals, wer "dieser Neuser", der am 7. August 1993 verstarb, eigentlich war. Immerhin verwies er in dieser Rubrik so verdiente Recken wie Herbert Lütkebohmert, Branko Oblak, Nationalspieler Herbert Burdenski oder Eurofighter Andreas Müller auf die Plätze.

Gerhard Neuser gehörte als Mittelfeldrenner zu der legendären Elf, die 1966 trotz des Abganges von einem halben Dutzend Leistungsträgern sensationell den Klassenerhalt schaffte. Ein Erfolg, der ihm auf Schalke eine Menge Sympathien einbrachte und der ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern der Knappen sicherte. Ein Kapitel, das mit einer wiederkehrenden Autofahrt zwischen Gelsenkirchen und Siegen begann.

Dort kickte der kleine Mittelfeldrenner (nur 1,63 m) bis 1965. Der 26-Jährige hatte bereits 20 Einsätze in der Amateur-Nationalmannschaft hinter sich, als der FC Schalke anfragte, ob er ins Ruhrgebiet wechseln wolle. Die Knappen, sportlich in die zweite Liga abgestiegen und kurzfristig in die auf 18 Vereine aufgestockte Bundesliga zurückgeholt, suchte nach händeringend Verstärkungen, doch der gebürtige Siegerländer hatte keine Ambitionen, seine Heimat zu verlassen und sich dem Abenteuer "Profifußball" zu stellen. "Wir sind da 20 Mal hingefahren, weil der gar nicht wollte", erinnerte sich Schalkes damaliger Kapitän Manfred Kreuz.

Dies hatte nichts mit Schalke zu tun, im Gegenteil. Neuser hatte sich dem Amateur-Fußball verschrieben und vielleicht auch ein wenig Bedenken vor dem Schritt in die Eliteklasse. Am Ende gab Neuser dem beharrlichen Werben nach. Die Autorität der Fußball-Legende Ernst Kuzorra gab den Ausschlag. Doch selbst diesem teilte Neuser entwaffnend ehrlich mit: "Erwarten Sie alles von mir - nur keine Tore."

Er streifte sich ab 1965 das blaue Trikot über und verlebte fünf erfolgreiche sowie glückliche Jahre (143 Bundesligaspiele/19 Tore) auf Schalke. Nach der Rettung 1966 ging es mit dem Verein nämlich langsam aufwärts. Zwar stand auch 1967 und ´68 der Kampf gegen den Abstieg im Vordergrund, doch 1969 startete das Team von Coach Rudi Gutendorf durch. In der Liga belegte die Mannschaft am Ende Rang sieben, im DFB-Pokal erreichte sie gar das Finale gegen den FC Bayern München. Und wieder hatte Neuser seine Finger, bzw. seine Füße im Spiel.

Im ersten Halbfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern erzielte er den wichtigen 1:1-Endstand. Zehn Tage später zogen die Schalker durch einen 3:1-Sieg gegen die Pfälzer ins Finale ein. Dort unterlagen Neuser, Libuda, Fichtel und Co. zwar den Münchnern mit 1:2, doch der Einzug in den Europapokal der Pokalsieger war geschafft. Die Bayern nahmen als Bundesligaprimus am Cup der Landesmeister teil.

1970 verließ er die Knappen, was allerdings nichts mit dem schmerzhaften Vorfall am 6. September zu tun hatte. An dem Tag trafen die Schalker im Stadion Rote Erde auf die Borussen aus Dortmund. Nach dem Schalker Führungstor durch Hansi Pirkner stürmten Fans den Platz, was die Ordner dazu bewegte, die Hunde loszulassen. Leidtragende dieser Aktion sind zwei Schalker: Friedel Rausch erwischten die Hunde am Allerwertesten, Gerd Neuser wurde am Oberschenkel getroffen. Wegen Lähmungserscheinungen musste er später in der 76. Minute ausgewechselt werden. Eine Woche später stand er allerdings schon wieder auf dem Platz.

       
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