20.12.2004: Vor 45 Jahren trug Schulz zum ersten Mal das DFB-Trikot

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Das Tauziehen um Willi Schulz war hart. Immerhin war der Günnigfelder bereits Nationalspieler - er gab am 20. Dezember 1959 sein Debüt in der DFB-Elf -, als die großen Vereine aus dem Ruhrgebiet um das Abwehrtalent buhlten. Am Ende machten die Schalker das Rennen, nicht zuletzt wegen Waldemar Gerhardt und cineastischer Unterstützung.

Gerhardt sollte den damals 21-Jährigen davon überzeugen, den Knappen das Ja-Wort zu geben. "Wir sind dann immer ins Kino gegangen und ich habe ihn die ganze Zeit bequatscht, er soll doch nicht nach Dortmund gehen, sondern zu uns kommen." Eine erfolgreiche Strategie: Schulz entschied sich contra Schwarz-Gelb und pro Blau-Weiß. Wobei sicherlich auch die Zahlen im Vertrag eine Rolle gespielt haben dürften.

Wie auch immer, Schulz reifte auf Schalke zu einem erstklassigen Verteidiger heran, der im Zweikampf kein Kind von Traurigkeit war. Er führte im Verein des legendären Kreiselns das Grätschen ein. Seine Härte und Zweikampfstärke wurden nicht nur in der und rund um die Glückauf-Kampfbahn geschätzt, die Nationalmannschaft wollte ebenfalls auf die Dienste des eisenharten Verteidigers nicht verzichten.

Längst zur Kultfigur geworden, verspielte er 1965 viele Sympathien auf Schalke. Als der Verein gegen den Abstieg kämpfte, versprach Willi Schulz, dass er sich lieber die "Beine abhaken lassen" wollte, als den Verein zu verlassen. Wenige Zeit später wurde bekannt, dass er zu seinem Freund Uwe Seeler an die Alster wechselt.

Die Empörung war groß, die Frust saß sogar so tief, dass die Fans mit einem symbolischen Akt ihrer Enttäuschung Luft machten. Sie pilgerten vor seine Kneipe in Günnigfeld, kauften Bier an dem gegenüberliegenden Kiosk und tranken es demonstrativ vor seiner Gaststätte. Der Abtrünnigen schelmisch: "Dat wa mich egal. Die Trinkhalle gehörte mich auch."

Anschließend schnürte er noch 211 Mal für den HSV die Fußball-Stiefel und wurde in Hamburg neben Uwe Seeler zu dem HSV-Idol. Die größte sportliche Auszeichnung indes erhielt er vom weltbesten Fußballer aller Zeit. Die brasilianische Fußball-Legende Pele sagte einst über Willi Schulz: "Er war mein Angstgegner, unerbittlich hart und entschlossen."

Auch abseits des Platz erwarb er sich Anerkennung. Der clevere Geschäftsmann profilierte sich durch Versicherungen, Gaststätten, Spielautomaten und Immobilien. "Finanziell bin ich aus dem Schneider", sagt Schulz heute, der viele Jahre Kolumnen in der WELT und WELT am SONNTAG schrieb und seit November 2004 dem Aufsichtsrat des Hamburger SV angehört. Zwar fühlt er sich heute als Hanseat, doch eines hat er nicht abgelegt - seinen typische Ruhrpott-Dialekt.

Willi Schulz
* 04.10.1938
Spieljahre: 1960-1965
BL: 52/2
OL: 83/6
DM: 4/0
DP: 9/0
LS: 22/0


       
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